Dienstag, 4. Januar 2011

Gedanken


Verdammte Sucht.

Leise brodelt die Kaffeemaschine in der Küche und verströmt einen aromatischen Duft. Mit zittrigen Händen greift Christiane nach einer Schachtel, die in ihrer Hosentasche steckt. Beim öffnen der Packung, grinsen sie zwei blütenweiße Zigaretten an. Harmlos sehen sie aus, so unschuldig und rein, doch Christiane ist ihnen verfallen. Wütend wirft sie die Schachtel auf den Tisch und füllt sich eine Tasse mit dem fertig gebrühten Getränk.
Auf dem Stuhl sitzend geniest sie jeden Schluck ihres Kaffees. Den Blick starr auf die Packung gerichtet, kreisen ihre Gedanken ständig um das Gleiche.
„Nur noch zwei Stück, wie lange halte ich das aus?“
In der Nähe ist ein Kiosk, dort könnte sie sich Nachschub holen, doch ihr Innerstes schreit „Nein!“

Seit mehreren Tagen wird sie von Hustenanfällen heimgesucht. Im Taschentuch sind graue Spuren sichtbar, wenn sie es sich vor den Mund hält. Allein das ist schon erschreckend genug, doch am schlimmsten sind ihre Nächte.
Mitten im Schlaf bleibt ihr die Luft weg. Wie ein Astmahtiker ringt sie dann um freies Atmen, immer begleitet von einem hellen Pfeifton.
Christiane leidet nicht an Astmah. Hat es nie gehabt und ist auch von ihrer Familie her nicht mit dieser Krankheit vorbelastet.

„Ich muss aufhören zu rauchen, jetzt und sofort. Solche Horrornächte sind ein Warnschuss vorm Bug. Nikotinpflaster? Ha, dass ich nicht lache! So was ist doch Kinderkacke.“

Ihre Gedanken schweifen zu jener Zeit zurück, als sie noch zur Schule ging.
„Warum hatte ich nur angefangen?
Jeder vernünftige Mensch sagte mir:
„Lass die Finger vom Rauchen. Es stinkt, ist teuer, wie Hund und ruiniert Deine Gesundheit.“
Aber ich konnte es ja nicht lassen. – Fühlte mich erwachsen, wollte dazu gehören und sterben muss doch sowieso jeder irgendwann. Ist doch egal, an was. Genau so dachte ich.
Jugendlicher Leichtsinn. Ja, der wird auch dahinter gesteckt haben.
Sie erinnert sich noch gut an die ersten Züge ihres Lebens.
Mann oh Mann, war mir schlecht geworden. Und husten musste ich. Hab mir fast die Seele aus dem Leib gehustet.
„Das gibt’s doch nicht. Was die Anderen können, das kann ich auch.“
War ich blöd damals. Genauso blöd, wie meine Freundinnen. Ob die immer noch rauchen? Weiß nicht. Hab sie aus den Augen verloren.

Ab morgen ist Schluss damit! Erst wasche ich alle Gardinen und dann wird gründlich der Hausputz erledigt. Arbeit lenkt ab. Kaugummis muss ich mir noch kaufen, die beruhigen. Ich werde es schaffen aufzuhören, ganz bestimmt.

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