Samstag, 4. Juli 2009

Ohne Hast





Erleichtert begrüße ich die Ruhe im Schlafzimmer. Endlich kann ich meine Gedanken frei umherschweifen lassen. Mein Ehemann verlangt nicht mehr von mir, dass ich seine Ansichten teile, er hat sich in einen anderen Raum zurück gezogen. Kein lärmender Fernseher schläfert mit langweiligen Filmen ein. Ich liege alleine im Bett und lausche dem Rascheln der Blätter des dicht vorm Fenster stehenden Baumes.
Auf dieser Seite des Hauses führt keine Straße vorbei, die neugierige Menschen zu unerwünschten Beobachtungen veranlassen könnte. Meine Blicke werden weder durch heruntergelassene Rollladen aufgehalten, noch verwehren dicke Vorhänge freie Aussicht auf das wechselnde Geschehen am Firmament.
Für mich sind dies die schönsten Momente am Tage.
Von Einsamkeit umfangen, fühle ich die Energie des Lebens.
Leises Ticken der Wanduhr mischt sich mit sanftem Rauschen des Windes zu einer Melodie, deren Töne ich vereinen möchte. Meine Komposition ist nicht angefüllt mit harmonischen Klängen, dennoch nenne ich sie Sinfonie der Stille.
In Anbetracht des Widerspruchs huscht ein Lächeln über mein Gesicht. Nach einer Weile gleite ich friedvoll in die Traumwelt hinein.