
Als Katia erwachte mit dem guten Gefühl, dass es ein schöner Tag werden wird.
Sie blickte aus dem Fenster und sah wie der Himmel in seinen sanften Pastelltönen leuchtete. Kräftiges Rosa am Horizont, ging sachte in helles Blau über. Sie erfreute sich am Anblick der Farben. Hellwach geworden wartete sie darauf, dass Andreas zu ihr kommen würde, um sie aus dem Bett zu heben.
Ihr lief das Wasser im Mund zusammen, als sie an das kommende Frühstück dachte. Andras gab sich immer sehr viel Mühe, das erste gemeinsame Essen am Tag möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Täglich stellte er etwas anderes auf den Tisch. Mal bot er frische Brötchen mit Konfitüre an, Mal Croissants mit Nussfüllung, oder Brioche, ein französischer, süß-lockerer Hefeteigkuchen. Auch Cornflakes und Müsli bot er ihr an. Katia musste nur ein Wort sagen, dann konnte sicher sein, dass Andreas das Gewünschte am nächsten Tag auf den Tisch stellen würde.
Während des Frühstücks war es beiden zu einem lieb gewonnenen Ritual geworden, sich ausgiebig zu unterhalten.
Zeit dazu hatten sie reichlich. Andreas ging nicht arbeiten, damit er immer da war, wenn seine Frau Hilfe benötigte. Dafür erhielt er vom Staat eine finanzielle Vergütung die ihm, zusammen mit Katias Invalidenrente, ein relativ sorgenfreies Leben ermöglichte.
Katia musste nicht lange warten, bis ihr Mann schlaftrunken ins Zimmer kam. Routiniert setzte er seine Frau in den Rollstuhl und schob sie an den Esstisch.
Erst in zwei Stunden erwarteten sie Pflegekräfte, die Katia waschen und anziehen würden. So lange saß sie halt im Schlafanzug neben Andreas. Dies gab ihnen eine ganz besondere, intime Atmosphäre.
Der Kaffee duftete köstlich und das Honigbrot, fein mit Butter bestrichen, schmeckte lecker. Dennoch sah Katia ihrem Mann an, dass irgend etwas nicht stimmte.
„Was ist los mit Dir, hast Du schlecht geschlafen?“
„Ach, ich hatte einen miserablen Traum gehabt, an den ich immer noch denken muss.
Stell Dir Mal vor, ich war gerade dabei einen Motor auszubauen. Alles ging wie am Schnürchen, bis auf die letzte Schraube. Meinst Du das verdammte Ding hätte sich bewegen lassen? Ich wollte sie schon mit der Flex abschneiden und danach ausbohren, doch sie war stärker. Zwei, mit Diamanten besetzte Trennscheiben gingen drauf. Die sind verdammt teuer. Ich wollte gerade die Mistkarre in die Luft sprengen, da wachte ich auf.
Du glaubst gar nicht wie froh ich war, dass ich alles nur geträumt habe“.
Katia legte sanft ihre Hand auf Andreas Arm und versuchte ihn auf andere, positive Gedanken zu bringen.
„Hast Du schon bemerkt, was für herrliches Wetter wir haben? Es ist Mitte November, die Sonne lacht vom Himmel, bringt uns noch etwas Wärme mit und ein leichter Wind bläst Blätter von den Bäumen.
Als würden gelbgoldene kleine Drachen durch die Luft segeln, bietet die Natur uns ein beeindruckendes Schauspiel.
Geh doch ein bisschen spazieren, um auf andere Gedanken zu kommen und sehe Dir die Schönheiten an, die uns umgeben“.
